Lesewoche 2015 - eine Chronik

Frühjahr 2015

Das Leselust-Team trifft sich, um die Lesewoche im Herbst zu planen. Thema soll diesmal „irgendwas mit Kunst“ sein.  

„Bücher dazu gibt’s genug!“ - „Wir könnten das mit einer kleinen Ausstellung verbinden.“ - „Und dann jeden Tag mit den ganzen Kunstwerken an einen anderen Leseort ziehen?“ - „Welche Künstler kennen wir denn?“ - „In Gütersloh gibt es eine Frau, die macht Miniatur-Bibliotheken. Das passt doch zu uns.“ - „Meine Tochter hat eine Freundin in Freiburg, die macht gute Sachen.“

 

Sommer 2015

Die Bücher sind ausgewählt. Die „üblichen Verdächtigen“ – unsere seit Jahren bewährten und beliebten Vorleser/innen - werden informiert und mit Lesestoff versorgt.

Wir haben uns für sechs Künstler/innen entschieden, die wir um einen Ausstellungsbeitrag bitten wollen: Marianne Bellenhaus, Gerd Hagedorn, Maram Morgan, Sabine Reese-Blumentrath, Gisela Walkenhorst, Edith Weber.

Der „Kleine Co“ steht leer. Wir überlegen, ob wir den nicht - statt wechselnder Orte - für die ganze Woche nehmen.

Bei der Raumbesichtigung stellen wir fest: Auf den ersten Blick nicht schön, aber schön groß mit reichlich Platz für Bilder, Objekte, Skulpturen, Installationen – und Zuhörer. Frau Glenz verschiebt – extra für uns - die Vorbereitungen für ihre Weihnachtsausstellung, die ab Ende November hier stattfinden soll.

 

Anfang September

Das Thema der Lesewoche ist gefunden: KUNST-STÜCKE. Das Programmheft und die Plakate werden gedruckt und verteilt. In einem Artikel der Borkener Zeitung wird die Lesewoche angekündigt.

 

Die Woche vor dem 14. September

Donnerstag: Das Leselust-Team richtet den Raum her (Fußboden saugen, Toilette putzen, Vitrine entstauben, Tische rücken, Stelen für Objekte bereitstellen).

Samstag: Die Künstler bringen ihre Arbeiten: Holzobjekte, Metallskulpturen, Collagen, verfremdete Puzzles, Bilder, Lichtinstallationen, Miniaturen. Jedes Ausstellungsstück findet einen angemessenen Platz. Nach zwei Stunden hat der vorher gar nicht so attraktiv erscheinende Raum das Flair einer Galerie.

Montag, 14. September

Das Leselust-Team wartet, wie immer gespannt, auf das Eintreffen der Zuhörer. Und dann kommen sie – in Scharen. Es sind so viele, dass um kurz vor acht alle (!) vorhandenen Sitzgelegenheiten besetzt sind.

Heinrich Ross liest aus „Die Frau auf der Treppe“ von Bernhard Schlink. Das macht er so hingebungsvoll, dass er sich erst nach mehr als einer Stunde zu einer Pause überreden lässt.

 

Dienstag, 15. September

Buch des Abends ist „Konzert ohne Dichter“ von Klaus Modick. In bewährter Manier trägt Paul Schepping nicht nur Textpassagen vor, sondern veranschaulicht das Gelesene mit Bildern und Originalton-Einspielungen.

 

Mittwoch, 16. September

Vorgelesen wird aus „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann. Zum Vergnügen der Zuhörer trägt Ulrike Fritz-Hummelt den Text souverän mit dem passenden ironischen Unterton vor.

 

Donnerstag, 17. September

Ein Abend mit Lianes Lieblingsdichter Thomas Mann. Hinrich Petersens bedächtige Vortragsweise und sein unüberhörbar norddeutscher Ton passen ideal zu den Textpassagen aus „Tonio Kröger“.

Freitag, 18. September

Werner Haßenkamp liest aus „Die Nacht des Don Juan“ von Hanns Josef Ortheil. Das hör- und spürbare Vergnügen des Vorlesers an der Geschichte überträgt sich auf die Zuhörer, die es ihm nachsehen, dass der Vortrag eine halbe Stunde länger als gewohnt dauert und die übliche Lesepause erst weit nach neun Uhr angesagt wird.

Samstag, 19. September

Wieder ist der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Abend beginnt mit einer Sprech-Performance von Maram Morgan zu ihren Licht-Installationen. Dann liest Doro Waskönig aus Colum McCanns Roman „Der Tänzer“. Für die musikalische Begleitung sorgen nicht nur Marina Litwin und Miriam Brucksch mit ihren Akkordeons, sondern auch – mitten im Vortrag - ein anscheinend unvermeidliches Handyklingeln. Bei Gesprächen, einem Glas Wein und den traditionellen Leselust-Canapés klingt der Abend aus.

 


Das Leselust-Team dankt allen, die dazu beigetragen haben, dass die Lesewoche ein Erfolg wurde:

-       den Vorleser/innen, die an jedem Abend das Zuhören zum Genuss gemacht haben

-       den Künstler/innen, die uns ihre Arbeiten anvertraut haben

-       den vielen Besucher/innen, die unsere Arbeit durch ihr Interesse an den Leseabenden

            belohnt haben.

 

 

 

 

 

lianebalken@web.de